Fragen an die Kandidatinnen


Am 4. September 2011 war Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. "Lola für Lulu" hat Kandidatinnen aller Parteien zwei wichtige Fragen gestellt.

1. Wie sehen Sie die Herausforderung der Geschlechtergerechtigkeit in Mecklenburg-Vorpommern und wie möchten Sie sich dafür einsetzen?

2. Wie möchten Sie darüber hinaus die demokratische Kultur generell in Mecklen-burg-Vorpommern fördern?


Was die Kandidatinnen antworteten finden Sie hier.

 
 
Sylvia Brettschneider (Neubrandenburg II)
 

Sylvia Bretschneider (SPD)

Als Sozialdemokratin streite ich für gleichberechtigte Chancen von Frauen und Männern in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Vor allem Frauen haben noch immer mit Nachteilen zu kämpfen. Ob Frauen im Beruf, in der Familie oder in ehrenamtlichen Funktionen Verantwortung übernehmen können, scheitert oft an den Rahmenbedingungen. Männer werden zum Beispiel fast nie gefragt, wer sich während sie arbeiten um ihre Kinder kümmert. Geschlechtergerechtigkeit reicht aber weit über berufliche Chancengleichheit hinaus! Dennoch liegt hier ein entscheidender Schlüssel - und damit eine entscheidende Herausforderung. Das von der SPD geplante Frauenförderprogramm für die Landesregierung soll beispielgebend auch für andere Bereiche werden.

Die demokratischen Parteien und Initiativen im Land unterscheidet politisch vieles. Jedoch einen sie die Grundüberzeugungen, auf denen unser Mecklenburg-Vorpommern aufgebaut worden ist. Extremisten treten all dies mit Füßen, säen Hass und wollen eine Diktatur der Angst und Gewalt. Dem stelle ich mich entgegen. Ich engagiere mich in der Initiative „WIR. Erfolg braucht Vielfalt“, dem landesweiten Bündnis für Demokratie, Toleranz und Vielfalt. Das vom DGB, den Unternehmerverbänden, den Kirchen und mir initiierte Bündnis wirbt für bürgerliches Engagement. Es richtet sich gegen extremistische und demokratiefeindliche Aktivitäten.

 
 
Manuela Schwesig
 

Manuela Schwesig (SPD)

Es gilt, die geschlechtertypische Berufswahl junger Menschen aufzubrechen. Ich setze mich dafür ein, dass die Pflegeberufe auch für Jungs attraktiver werden und auch in den Kitas mehr Erzieher tätig sind. Das gelingt vor allem durch bessere Bezahlung. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist leider häufig immer noch ein weibliches Problem. Hier steuern wir mit guten Kitas und flexiblen Öffnungszeiten gegen.

Demokratie lebt vom Mitmachen. In meine Bürgersprechstunden kommen sehr engagierte Menschen mit ganz konkreten Problemen und Ideen. Ich mache Politik nicht von der Regierungsbank aus, sondern höre mir die Sorgen und Nöte der Menschen an und beziehe diese Erkenntnisse in meine politische Arbeit mit ein.

 
 
Karen Stramm (WK 18)
 

Karen Stramm (DIE LINKE)

Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit sind die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben. Partnerschaftliche Aufteilung von Sorgearbeit (Stichwort: Elterngeld, Pflegezeit) ist ein wichtiges Aufgabenfeld allen politischen Handelns. Da die finanzielle Eigenständigkeit von Erziehenden und Pflegenden bisher nur in Ansätzen erreicht wurde, will ich mich u.a. für eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbs-, Privat- und Familienleben als ein wichtiger Schlüssel zu mehr Lebenszufriedenheit und Lebensqualität einsetzen. Hierzu gehört ein flächendeckender Zugang zu einer ganztätigen und flexiblen Kinderbetreuung, die Verfügbarkeit und Erreichbarkeit von Pflegedienstleistungen sowie die wohnortnahe Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Die Landesgleichstellungskonzeption muss überprüft und fortgeschrieben werden. Da Frauen in höheren Ebenen unterrepräsentiert sind, ist die Quotenregelung ein Mittel, denn Frauen können das ebenso gut!

 
 
Dagmar Kaselitz (WK 22)
 

Dagmar Kaselitz (SPD)

Immerhin trete ich zur Wahl für den Landtag und den Kreistag als Frau an. Frauen sind in beiden Gremien unterrepräsentiert. Das muss sich ändern und ich will mit meinem Engagement anderen Mut machen, politische Verantwortung zu übernehmen. Geschlech-tergerechtigkeit erreichen wir nur dann, wenn Frauen sich der offensichtlichen Benachteiligung in vielen Bereichen bewusst werden und dagegen etwas tun wollen. Ich will dieses Bewusstsein immer wieder aufzeigen und besonders bei Begegnungen mit Mädchen und jungen Frauen den Blick dafür schärfen.

Ich möchte, dass gute Projekte, die es auf dem Gebiet der demokratischen Kulturförderung gibt, tatsächlich bis in die letzten Regionen unsers Landes gelangen und nicht nur große Städte davon profitieren.

 
 
Martina Tegtmeier (Nordwestmecklenburg II)
 

Martina Tegtmeier (SPD)

Das Prinzip, alle Gesetze und Vorhaben auf die Auswirkungen auf Männer und Frauen zu prüfen und negative Auswirkungen von vornherein zu vermeiden, muss sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche ausweiten. Dafür setzte ich mich seit langem über meine Fraktion mit allen möglichen Maßnahmen ein.

Das Lernen und Wertschätzen unserer Staatsform muss viel ausgeprägter in allen Bildungsbereichen behandelt und offensiv vertreten werden. Die demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten, die unsere Menschen in M-V haben, sind vielen nicht bekannt. Diese beginnen mit dem Mitspracherecht von Schülern bei Schulangelegenheiten über Schülerrat und Schulkonferenz und hören bei der Möglichkeit der Einwohnerinnen einen Einwohnerantrag für eine Angelegenheit der örtlichen Gemeinschaft zu stellen, nicht auf.

 
 
Jacqueline Bernhardt (WK 19)
 

Jacqueline Bernhardt (DIE LINKE)

Als junge Mutter und politisch engagierte Frau weiß ich, wie schwer ist, Familie und Beruf unter einen „Hut“ zu bekommen. Daneben sehe ich die Herausforderungen bei der Entlohnung, bei der Teilzeitbeschäftigung und bei dem Thema Frauen in Führungspositionen. Noch heute erledigen hauptsächlich Frauen den Haushalt, pflegen Familienangehörige und kümmern sich um ihre Kinder. Ich will mich parlamentarisch und außerparlamentarisch dafür einsetzen, dass weiterhin ein Umdenken bei uns allen stattfindet. Ich will Frauen dazu ermutigen, sich in die Politik einzumischen.

Ich will mit den Leuten vor Ort reden und sie wieder für Demokratie begeistern. Ich möchte ihnen zeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt, sich einzumischen. Gerade jetzt im Wahlkampf merke ich, dass viele Bürgerinnen und Bürger resigniert haben und nicht mehr wählen gehen wollen, obwohl sie unzufrieden sind. Ich möchte ihnen zeigen, dass wir nur etwas ändern können, wenn wir unsere demokratischen Rechte auch nutzen. Dazu gehört wählen zu gehen genauso dazu, wie zu demonstrieren, oder uns an Entscheidungen vor Ort zu beteiligen und das in unserer Gemeinde, im Landkreis, auf Landes- oder Bundesebene.

 
 
Stefanie Drese (WK 11)
 

Stefanie Drese (SPD)

Von einer Gleichstellung der Geschlechter in Mecklenburg-Vorpommern kann ich derzeit noch nicht ausgehen. Ich möchte mich als weibliche Abgeordnete intensiv für frauenpolitische Themen stark machen, auf eine Förderung von Frauen in der Selbständigekit positiven Einfluss nehmen, Projektförderung durch das Land anregen, bei der auf die Grundsätze der Geschlechtergerechtigkeit vordergründig geachtet wird und meine Ideen und mein Engagement in die Landespoltik einbringen, damit gerade junge Frauen in MV Arbeits- und Lebensbedingungen vorfinden, die zum Bleiben veranlassen.

Ich möchte Mitbestimmung dadurch fördern, dass ich Sorgen und Nöte meiner Mitmenschen im Wahlkreis ernst nehme, damit Vertrauen in mein politisches Handeln aufbaue und so zum Mitmachen anrege.

 
 
Silke Gajek
 

Silke Gajek (Bündnis 90/Die Grünen)

Geschlechtergerechtigkeit ist für mich eine Querschnittsaufgabe und durchzieht alle Lebensbereiche. Von daher ist es eine große Herausforderung Geschlechtergerechtigkeit im Alltag, in der Politik und in den Köpfen verankert. Das braucht einen langen Atem, worin die Frauen bestens geübt sind. Wenn ich mir beispielsweise die Situtation von Frauen in Führungspositionen anschaue, muss ich auch heute noch sagen: Da ist noch viel zu tun. Obwohl Frauen oftmals bessere Schulabschlüsse erlangen, schaffen sie es selten in die Chefetage. Solange Frauen im Erwerbsleben die Verantwortung für Familie und Beruf immer noch alleine tragen und die oftmals frauenfeindlichen Rahmenbedingungen ihnen die freie Wahl erschweren, sind wir noch weit entfernt von gelebter Gleichberechtigung und Geschlechergerechtigkeit.

Bündnis 90/Die Grünen schreiben u.a. in ihren zehn Wahlkampfschwerpunkten die Gleichstellung von Mann und Frau fest. Wir Bündnisgrüne leben die Geschlechtergleichberechtigung bzw. durch die konsequente Quotierung der Kandidat_innen zur Landtagswahl. Vom 1. bis zum 27. Platz ist unsere Liste gegendert. Auch unser Spitzenteam als Geschlechterduo ist in unserem Bundesland ein Novum - Frau und Mann stehen gleichberechtigt an der Spitze sowohl in der Partei als auch auf der Landesliste. Diese Geschlechtergerechtigkeit muss jedoch konsequent immer wieder auf die Tagesordnung und Frauen weiterhin gefördert werden.

Aus meiner jahrelangen Tätigkeit, sei es im Autonomen Frauenhaus, Mädchentreff oder auch derzeit in der Selbsthilfe, bin ich stark sensibilisiert für Geschlechtergerechtigkeit. Gerade die Wendezeit hat uns eine Aufbruchsituation erleben lassen, die ich heute manches Mal vermisse. Hier müssen die Frauen auch selbst aktiv werden. Ich stehe gerne als Förderin und Motivatorin zur Seite. Dafür bedarf es jedoch Rahmenbedingungen! Diese müssen konsequent durch nachhaltige familienfreundliche und geschlechtergerechte Strukturen umgesetzt werden. So denke ich an gleichen Lohn für gleiche Arbeit! Durchsetzbar ist dies nur mit einem branchen übergreifenden Mindestlohn. Ich denke an die paritätische Besetzung von Aufsichtsräten, Parlamenten oder auch Kindergärten und Schulen. Nur durch eine geschlechtergerechte und vor allem sozial gerechte Bildung für alle ist Geschlechtergerechtigkeit möglich.

Ich komme aus der Bürgerbewegung und habe seit Anfang der 90er Jahre in unterschiedlichen Projekten gearbeitet und feministische Soziologie studieren können. In meiner täglichen Arbeit bin ich immer davon geleitet, Menschen zu motivieren, sich einzumischen, den Mund bei Ungerechtigkeit aufzumachen, nicht zu kuschen. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. Dabei ist gute Bildung und insbesondere Politische Bildung für die Gestaltung unserer Demokratie lebensnotwendig. Hier sind drei Bereiche wichtig und liegen mir am Herzen.
 

  • Rechtsextremes Gedankengut, Lebens- und Herrschaftsansichten entzaubern
  • Aufklärung und Aufarbeitung unserer DDR-Geschichte
  • Jugendliche frühzeitig in die politische Kultur des Landes integrieren

Nur wenn wir uns unserer Vergangenheit stellen, können wir Zukunft gestalten.