Die demographische Situation

© Jürgen Seidel (?)

 

Mecklenburg-Vorpommern - ein von Abwanderung geprägtes Bundesland

Seit der Wiedervereinigung hat die Bevölkerung in Ostdeutschland kontinuierlich abgenommen. In erheblichem Maße von dieser Entwicklung betroffen ist der Anteil der weiblichen Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns. Besonders hoch sind die Wanderungsverluste bei Frauen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. Gerade die gut ausgebildeten Frauen verlassen Ostdeutschland, um ihre Chancen auf bessere Arbeits-, Verdienst- und Karrieremöglichkeiten in den alten Bundesländern wahrzunehmen. So fehlen den neuen Ländern nicht nur die gut ausgebildeten Arbeitskräfte, sondern eben auch die Frauen.

Von dieser Entwicklung sind, nach einer Studie des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, besonders die ländlichen, strukturschwachen Regionen betroffen - so auch Mecklenburg-Vorpommern. Mit bis zu 25% erreicht der Frauenmangel hier seinen europaweit höchsten Wert. Im Landkreis Ludwigslust beträgt diese Größe zwischen 15 und 20%. Was häufig übersehen wird: durch diese Abwanderung sinkt auch der Anteil der demokratisch orientierten Frauen in Mecklenburg-Vorpommern kontinuierlich.

Wie aber gestaltet sich die Situation derjenigen jungen Frauen und Mädchen, die in Mecklenburg-Vorpommern bleiben? Die im Bundesdurchschnitt niedrigste Frauenerwerbsquote (56%), die höchste Erwerbslosenquote im bundesdeutschen Vergleich (25%) sowie die bundesweit höchste Einkommensarmut wird den Frauen in Mecklenburg-Vorpommern attestiert.


Jugendarbeit für Mädchen und Frauen: In Mecklenburg-Vorpommern Mangelware

Die Möglichkeiten, die Gesellschaft mitzugestalten und an ihr aktiv teilzuhaben, sind für junge Frauen in Mecklenburg-Vorpommern deutlich begrenzt. Dies hat nicht nur, aber in erster Linie mit den geringen Erwerbschancen zu tun. Durch den Mangel an sinnvollen Freizeit- und Jugendangeboten wird dieser Effekt besonders im ländlichen Raum noch verstärkt. Abgesehen davon, dass mädchen- und frauenspezifische Angebote fast vollständig fehlen, reduziert sich die Jugendarbeit auf einige wenige Jugendtreffs. Diese Einrichtungen sind selten mit geeignetem pädagogischen Personal ausgestattet. Die Angebote richten sich an der dominanten - sprich: männlichen - Besuchergruppe aus. Die Bedürfnisse der weiblichen Jugendlichen werden in der Regel kaum wahrgenommen.

In etlichen Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns wird die gesellschaftliche Kultur durch rechtsextreme Einstellungen dominiert. Das Dilemma vieler Mädchen und Frauen: Unterordnung unter oder Rückzug aus ihrem gesellschaftlichen Umfeld sind die Alternativen, die denjenigen bleiben, die ihre Heimatregion nicht verlassen wollen oder können. Die neue Strategie rechtsgerichteter Organisationen, mit Angeboten gezielt an Frauen heranzutreten, bekommt vor diesem Hintergrund eine besondere Brisanz.


Quellen:

- Kröhnert, S./Klingholz, R. (2007): Not am Mann: Von Helden der Arbeit zur neuen Unterschicht? Lebenslagen junger Erwachsener in wirtschaftlichen Abstiegsregionen in den neuen Bundesländern; Berlin.
(PDF-Dokument, 4.6 MB)
- Pletzer, W. (2005): Kleine Einrichtungen im ländlichen Raum: Jugendtreffs, Stadtteiltreffs, Bauwagen, Bauhütten. In: Deinet, U./ Sturzenhecker, B. (Hrsg.): Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit; Wiesbaden; S. 359-366.

- Statistisches Landesamt Mecklenburg Vorpommern (2005): Statistische Hefte: Frauen in Mecklenburg-Vorpommern im Spiegel der Zahlen. Sonderheft; Schwerin.