Oft sind es Frauen und Mädchen, die sich für eine demokratische Kultur in ihrem Wohnort im Landkreis Ludwigslust einsetzen. Dennoch sind sie noch immer strukturell benachteiligt. Seit drei Jahren unterstützt das Modellprojekt „LOLA für LULU“ der Amadeu Antonio Stiftung genau diese Frauen und Mädchen in Ludwigslust.
Doch nicht nur die Benachteiligung von Frauen und Mädchen ist ein Grund für „LOLA für LULU“, sich mit einer geschlechtsspezifischen Perspektive dem Thema Rechtsextremismus zu nähern. In der Rechtsextremismusprävention wird bislang kaum beachtet, dass es spezifische Gründe für Mädchen und Jungen gibt, sich rechtsextrem zu orientieren. Will ich also Jugendliche stärken und davon bhalten, rechten Gruppierungen beizutreten, ist ein pädagogischer Ansatz wichtig. „LOLA für LULU“ zeigt sich in verschiedenen Bereichen mit unterschiedlichen Projekten verantwortlich. Mädchen und Jungen diskutieren Im Peer Leadertraining lernen Mädchen und Jungen, sich in ihrer Schule für Chancengleichheit einzusetzen, gegen rechtsextreme Meinungen einzutreten und somit den Schulalltag lebendig zu gestalten. Einen Schwerpunkt nimmt dabei die Auseinandersetzung mit traditionellen und modernen Geschlechterrollen ein: Mädchen und Jungen diskutieren, welche Aufgaben Mütter und Väter zu Hause und in der Gesellschaft übernehmen, was für sie Gleichberechtigung heißt und was ihre Vorstellungen von Partnerschaft und Gleichwertigkeit sind. Diskutiert und erklärt werden Phänomene von Ausgrenzung, wie Rassismus, Antisemitismus und Homophobie.
Frauen in Kommunalparlamenten
In dem Projekt Damenwahl spricht „LOLA für LULU“ diejenigen Frauen an, die sich in ihren Landkreisen zur Wahl stellen wollen. Nach wie vor sind Frauen in den lokalen Parlamenten unterrepräsentiert. „LOLA für LULU“ bietet Schulungen für sie an: Neben dem grundsätzlichen Knowhow der Kommunalpolitik steht auch der Umgang mit rechtsextremen Abgeordneten auf dem Programm. Gerade die Zunahme rechtsextremer Frauen in Kommunalparlamenten stellt demokratische Abgeordnete vor eine besondere Herausforderung, da diese sich nicht in das stereotype Bild eines gewaltbereiten Rechtsextremen einfügen, sondern durchaus freundlich und sozial engagiert wirken.
Neonazi-Ideologie in der Kita
Im Fortbildungsprogramm Augenblick-Mal schult „LOLA für LULU“ pädagogische Kräfte aus Kitas und Schulen hinsichtlich möglicher Unterstützungsformen für Kinder aus rechtsextremen Elternhäusern. Konfrontiert mit der rechtsextremen Ideologie der Eltern, handeln Erzieherinnen und Erzieher oftmals verunsichert und überfordert. Sie sollen im Rahmen eines dreitägigen Fortbildungsmoduls gestärkt werden: Das Phänomen Rechtsextremismus, erprobte Ansätze der Demokratiepädagogik und konkrete Handlungsstrategien werden vermittelt. Darüber hinaus unterstützt „LOLA für LULU“ eine Vielzahl kleinerer Projekte und setzt neue Ideen in die Praxis um.
Ein herzlicher Dank
Mit der Unterstützung der Dreilinden gGmbH ist es möglich, Rechtsextremismusprävention aus einer feministischen Perspektive zu denken und Praxisansätze zu entwickeln. Jährlich stellt die Dreilinden gGmbH 150.000 Euro zur Verfügung und gibt dem Projekt Spielraum, modellhafte Antworten zu suchen und zu geben. Anders als bei vielen staatlichen Förderungen ist es uns auf diesem Wege möglich, neue Wege zu beschreiten, aus Fehlern zu lernen und im besten Sinne kreativ zu sein. Gerade die weitgehend unbürokratische Förderpraxis lässt Zeit für die eigentliche Arbeit. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken! „LOLA für LULU“ ist für die gesamte Stiftung ein wichtiger innovativer Motor, der neue Fragestellungen aufwirft und bislang ungewohnte Wege öffnet. So ist das Thema Gender mittlerweile ein Querschnittsthema der Stiftungsarbeit - nicht zuletzt durch „LOLA für LULU“.
Von Heike Radvan