Düütsche Deerns, wir kriegen euch!



Nach Che Guevara und den Palästinenser­tüchern haben Rechtsextreme auch den Feminismus für sich entdeckt.


"Wir müssen uns endlich eingestehen, dass ein Frauenbild, das vor allem im Dritten Reich geprägt worden ist, nicht mehr im vollen Umfang vertretbar ist. Deshalb ist die Zeit gekommen, diese Missstände zu beseitigen und eine Alternative anzubieten und diese stellt der nationale Feminismus dar. Daher … Deutsche Frauen wehret euch – gegen das Patriarchat und politische Unmündigkeit! Nationaler Feminismus voran!" So war es auf der Website des rechtsextremen Mädelrings Thüringen zu lesen, die bis vor kurzem noch online war.

In ihrem Glauben, dass Feminismus und Nationalismus sich nicht ausschließen, befinden sich die Mitglieder des Mädelrings zwar in der Minderheit, nicht nur in der rechten Szene. Doch betrachtet man die Entwicklung der rechtsextremen Frauenszene, so lassen sich drei aktuelle Aspekte erkennen: Immer mehr Frauen organisieren sich in Frauengruppen. Sie haben regen Zulauf. Und sie scheuen sich nicht, emanzipatorische und patriarchatskritische Elemente, die aus linken Diskursen bekannt sind – inhaltlich, aber auch begrifflich – zu übernehmen.

Es zeichnet sich eine Frauenbewegung im rechten Lager ab, in der Frauenbilder von extrem konservativ bis nationalfeministisch emanzipiert Platz finden. "Es ist erkannt worden, dass Frauen der rechtsextremen Szene ein anderes Image verschaffen", sagt Esther Lehnert von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, die zugleich Mitglied im Antifaschistischen Frauenforschungsnetzwerk ist. "Frauen sind im rechten Lager immer und überall zunehmend präsent, und Frauengruppen bekommen nicht zuletzt deswegen immer mehr Zulauf, weil ihr 'Empowerment-Konzept' aufgeht", erklärt sie weiter.

So gründeten sich erst im Juli zwei neue Gruppen des Rings Nationaler Frauen (RNF) in Berlin. Der RNF selbst ist erst zwei Jahre jung und versteht sich als »Vernetzung« von Frauen innerhalb und außerhalb der NPD. Beim rechtsextremen Auf­marsch zum 1. Mai in Hamburg marschierte eine neue Gruppe besonders junger Frauen mit, die Düütschen Deerns. Und kürzlich gründete sich unter dem Motto "Frauen, die sich trauen" eine "Selbsthilfegruppe" für Frauen, die wegen rechter Straftaten bereits Ärger mit den Ermittlungsbehörden hatten und sich deshalb als "politisch verfolgt" bezeichnen. Die Gruppe nennt sich Jeanne D. (Jeanne Deutschland).

Schon vor und während der Zeit des Nationalso­zialismus gab es Frauengruppen, welche die Forderung nach der Gleichstellung der Geschlech­ter mit der Nazi-Ideologie zu verbinden wussten. Sie konnten sich zwar nicht durchsetzen, doch zeigt die Tatsache, dass die Idee einer rechten Frauenbewegung keine grundsätzlich neue ist. Dass aber linke Begriffe wie Feminismus, Antisexismus und Patriarchatskritik in den Mund genommen werden, wenn auch von einer Minderheit, ist neu. Die Mitglieder jener rechten Frauengruppen, die in neunziger Jahren während eines regelrechten Booms entstanden, taten das noch nicht.

Aber sind Feminismus und Emanzipation überhaupt mit Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus vereinbar? "Alle möglichen Rollenbilder von Weiblichkeit sind mit Rechtsextremismus kompatibel", sagt Lehnert. Gleichwohl gebe es bestimmte Kriterien, die in der Szene nach wie vor wichtig seien, wie etwa Mutterschaft, Familie, Erziehung und Brauchtum. Ein "nationaler Feminismus", wie ihn der Mädelring Thüringen vertritt, sei zwar eine Minderheitenposition, "aber es gibt sie". Die Modernisierung habe auch die rechtsextreme Szene erreicht: "Es ist kei­neswegs so, dass das Bild der strickenden, bezopften nationalsozialistischen Mutter noch im Vordergrund steht." 

Für Lehnert passt es daher durchaus ins Bild, dass der RNF zum Weltfrauentag am 8. März ein entsprechendes Grußwort verfasste. "Hier wird ganz klar der Frauentag gewürdigt, bekommt aber eine deutsche und rassistische Perspektive", sagt Lehnert. Das selbe gelte für rechte Diskussionsgruppen, von denen immer mehr entstehen. Wie bei den Linken sind sie ausschließlich von Frauen für Frauen konzipiert.

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