Foto: Thomas Ruppenthal, c
Seit Juli 2010 hat das von „Lola für Lulu“ geförderte Volx Mobil in Neustadt-Glewe ein Stadtteilbüro. Das Projekt geht zu den Menschen, die von Parteien oft nicht mehr angehört und ernst genommen werden.
„Das Volx Mobil ist eher ein Laboratorium“, sagt Thomas Ruppenthal, Projektleiter des Volx Mobils – eine Initiative, die mit der Unterstützung von „Lola für Lulu“ in Mecklenburg-Vorpommern Jugendliche, Bürgerinnen und Bürger ermutigt, neue Perspektiven für sich und ihre Umgebung zu schaffen. „Es ist ein Projekt, das jede Woche neu überlegen muss, wie wir an die Herzen der Menschen in den von der Kernstadt abgehängten Plattenbaugebieten ländlicher (Klein-)Städte herankommen“, so Ruppenthal.
Stadtteilbüro
„Wer nicht beteiligt wird, beteiligt sich auch nicht“, stellt Ruppenthal fest. Das Volx Mobil will diese Situation ändern. Bisher ist das Projekt auf drei Jahre beschränkt. Seit Juli 2010 gibt es in Neustadt-Glewe, einer Stadt im Landkreis von Ludwigslust, ein Stadtteilbüro. Das wird regelmäßig von den Bewohnerinnen und Bewohnern der umliegenden Plattenbausiedlung besucht. Zum Beispiel von Mareike*. Mareike ist Mutter einer Tochter mit Behinderung. Als sie feststellte, dass es ihrer Tochter im Stadtteilbüro des Volx Mobils gefiel, taute auch Mareike auf. Nun ist sie Mitglied einer Müttergruppe im Stadtteilbüro, die sich selbst gegründet hat. Oder auch Frederic*. Er ist 14 Jahre alt und galt als „Schreck der kleineren Kinder im Stadtteil“, so Ruppenthal. „Heute ist er regelmäßiger Gast unserer Angebote und beginnt Verantwortung für Kleinere zu übernehmen.“ Eva-Marias* Eltern kommen aus der rechten Szene. Der rigorose Erziehungsstil der Eltern führte zum Konflikt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Volx Mobils. Eva-Maria wurde verboten, das Stadtteilbüro weiterhin aufzusuchen. „Hin und wieder taucht sie aber auf und strahlt. Doch generell wird sie von ihren Eltern isoliert,“ so Ruppenthal.
Zuhören und Ernstnehmen
Das Volx Mobil schafft, was Parteien im ländlichen Raum oft nicht mehr machen: Es geht zu den Menschen hin, sucht sie auf, hört zu und nimmt sie ernst. Das ist eine zeitintensive Arbeit die leider auch nicht auf drei Jahre begrenzt sein sollte. „Es ist eine Aufgabe, die nur dann wirklich nachhaltig wirken kann, wenn sie über viele Jahre weiter geführt wird“, sagt Ruppenthal. Dabei arbeitet das Volx Mobil auch über die Stadtgrenzen von Neustadt-Glewe hinaus. Ab Juli 2011 beispielsweise wird es seine Arbeit in einem Plattenbaugebiet in Boizenburg aufnehmen. Außerdem unterstützt es den Kirchenladen im Wismaer Plattenbaugebiet.
Von Nora Winter
*Die Namen wurden geändert.