In Hagenow gibt es nicht viele Angebote für Jugendliche. „Wenn sie wollen, dass sich in ihrem Leben etwas ändert, dann müssen sie selbst aktiv werden“, sagt Katja Beck, Mitarbeiterin der AWO. So bietet der Jugendtreff HAI Betreuung, Beratung und die Möglichkeit selbst kreativ zu werden.
Jugendtreff HAI, das klingt erst einmal ziemlich gefährlich – ist es aber ganz und gar nicht. Denn HAI steht für nichts anderes als „Hagenower Aussiedler Initiative“. Seit drei Jahren leistet der in Hagenow fest etablierte Jugendtreff der Arbeiterwohlfahrt die intensive Betreuung und Beratung von jugendlichen Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern. Dazu gehören unterschiedliche Projekte, die die Jugendlichen auf kreative Art und Weise der Öffentlichkeit präsentieren. Beispielsweise können sie sich in Tanzgruppen ausprobieren und ihre künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Für die Kleinen und die Großen
Der Jugendtreff HAI bietet drei Tanzgruppen an: „Solnischko“ (Russisch für „Sonne“) für die ganz Kleinen zwischen zweieinhalb und fünf Jahren, „Karamelki“ für Mädchen zwischen sechs und zehn, und bei den „HAI Girls“ tanzen die Elf- bis Fünfzehnjährigen. Eine Lehrerin aus der Ukraine, die jahrelange Erfahrung in Tanz- und Kulturprojekten mit Kindern hat, leitet die Gruppen und studiert mit ihnen die verschiedenen Tänze ein. Die ursprünglichen „HAI Girls“ mussten sich durch den Schulabschluss der Mädchen, aber auch durch Wegzug und Ausbildungsbeginn zwar auflösen, seit November 2008 trifft sich aber eine neue Gruppe.
"Möglichst frühe Eigeninitiative"
Nach nur sechs Wochen wagten die „HAI Girls“ einen mutigen Schritt: in einem Hagenower Altenpflegeheim hatten sie ihren ersten Auftritt. Etwa die Hälfte der zehn Mädchen in der Tanzgruppe kommen aus Spätaussiedlerfamilien. Über Musik und gemeinsames Tanzen findet interkultureller Austausch statt, ohne dass dieser ausdrücklich Inhalt des Treffens sein muss - geht es den Jugendlichen in der Tanzgruppe zuallererst um den gemeinsamen Spaß am Tanzen. „Das wichtigste Ziel des Projektes ist es, dass die Mädchen zu uns kommen und nicht auf der Straße oder zu Hause herumsitzen“, erzählt Katja Beck. Die Mitarbeiterin der AWO will, dass die Mädchen möglichst früh Eigeninitiative ergreifen. „Wenn sie wollen, dass sich in ihrem Leben etwas ändert, dann müssen sie selbst aktiv werden.“ Diese Einstellung sollen die HAI-Projekte auch für das spätere Leben der Mädchen vermitteln.
Kontakt zu den Familien
In Hagenow existieren nur wenig Angebote für Kinder und Jugendliche, daher ist das Tanzprojekt für die Mädchen ungeheuer wichtig. Die jüngeren Mädchen werden gelegentlich durch die Eltern oder Großeltern begleitet. „Das hilft mir, Beziehungen zu den Familien aufzubauen und mehr über die jeweiligen Lebenssituationen zu erfahren“, erzählt Katja Beck. In der Vorweihnachtszeit fanden zwei Auftritte statt: am 3. Dezember in der Evangelischen Kirche in Hagenow, im Rahmen der „Adventskalender“-Veranstaltung, und am 23. Dezember im Hagenower Freizeithaus „Sausewind“.
Von Jan Schwab