Düütsche Deerns, wir kriegen euch!

 


Teil 2:

Die Frage, wo Feminismus nur als Begriff benutzt wird oder wo er als Bewegung ernst genommen wird, ist aber nicht so schnell beantwortet. "Nationaler Feminismus ist feministisch in dem Sinne, als dass durchaus explizit Patriarchats­kritik betrieben wird, Geschlechterverhältnisse hinterfragt werden und die Benachteiligung von Frauen im Berufsleben und durch die Kindererziehung angeprangert werden", sagt die Soziologin Renate Bitzan, die ebenfalls im Antifaschistischen Frauennetzwerk aktiv ist, im Gespräch mit der Jungle World.'

Überschneidungen mit "linkem Feminismus" finden sich einige. Der zentrale Unterschied aber ist, dass es hier immer nur um die exklusive Befreiung der weißen, deutschen Frau geht. Teilweise werde die nationale Frauenbewegung auch für andere rassistische Argumentationen instrumentalisiert. "Wenn Kritik am Frauenbild von Zuwanderern geübt wird, dann dient das nur der Diskreditierung dieses Milieus", so Bitzan. Es werde auch argumentiert, dass nur "nordische Menschen" befähigt wären, gleichberechtigte Geschlechterverhältnisse zu haben, und dass dies "andere Völker" gar nicht könnten.

Nationaler Feminismus fordert Gleichheit, wie linker Feminismus auch, aber nur für "richtige" und "weibliche" Frauen. Es zeigt sich bei den rechtsextremen Frauen eine deutliche Orientierung an der Differenztheorie, nach der Frauen und Männer nicht gleichartig, aber gleichwertig sind. Frauen hätten "weiblich" zu sein und Männer "männlich". Mit einem Feminismus, der zum Ziel hat, anerzogene Verhaltensweisen und zugeschriebene Rollenmuster aufzubrechen, ist das nicht vereinbar.

Davon abgesehen kritisiert der nationale Feminismus Herrschaft nicht als solche, sondern fordert vielmehr einen Übergang von der "Fremd­herrschaft" zur "Volksherrschaft". Der größte Unterschied könne aber an den "übergeordneten Projekten" festgemacht werden, sagt Bitzan. Als solche hat sie bei den Rechten die "Rasse- und Volksgemeinschaft" ausgemacht, bei den meisten Linken "die Menschenrechte" – "wohl wissend, dass dies durchaus diskussionswürdig ist".

Der rechte Mainstream will nach wie vor nichts von Feminismus wissen. Daran könnte der "Nationale Feminismus" etwas ändern, allerdings sind auch dann höchstens Erkenntnisse wie jene des Mädelrings Thüringen zu erwarten, in dessen Leitartikel auf der Website zu lesen war: "So wie Männer auch emotional denken können, können viele Frauen auch rational entscheiden."

Flora Eder (aus: Jungle World Nr. 32, 7. August 2008)


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