Projektbegleitende Evaluation


Das Besondere an „Lola für Lulu“ ist nicht nur, dass es Rechtsextremismusprävention und Demokratieentwicklung mit einem gendersensiblen Fokus zusammendenkt, sondern auch, dass das Projekt über seine gesamte Dauer wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird.


Die Evaluation wird jährlich durch ein Team externer Forscherinnen durchgeführt. Hierzu gehören Prof. Michaela Köttig (Fachhochschule Frankfurt/Main), Dr. des. Gabi Elverich (Universität Göttingen) und Johanna Sigl (Universität Göttingen) als Wissenschaftlerinnen, die in den Bereichen Evaluationsforschung, gendersensible Rechtsextremismusforschung und rekonstruktive Sozialforschung ausgewiesen sind.

Zusammenfassung der Zwischenergebnisse der Evaluation  Februar 2010

Zum Zeitpunkt der Projektevaluation im Februar 2010 scheint das Projekt „Lola für Lulu“, gut aufgestellt zu sein und sich in einer Phase der Etablierung zu befinden. In der bisherigen Laufzeit des Projektes lassen sich viele Entwicklungen rekonstruieren, die im Kontext einer geschlechterbezogenen Rechtsextremismusprävention als gewinnbringend anzusehen sind und deren Entwicklung im weiteren Prozessverlauf in den Blick genommen werden sollte:
 

  • „Lola für Lulu" ist es gelungen, sich im lokalen öffentlichen Raum als Projekt zu positionieren, das sich gegen Rechtsextremismus wendet und eine Förderung demokratischer Kultur anstrebt. Dies ist verbunden mit einer geschlechterreflektierenden Perspektive und mit dem Empowerment für Mädchen und Frauen.
     
  • Mit dem Teilprojekt des „Politischen Salons“ gelingt es „Lola für Lulu“, den öffentlichen Diskurs über Rechtsextremismus, über die spezifische Situation von Frauen und über Demokratieförderung voranzutreiben. Über die Effekte im Hinblick auf die Zielsetzung der Stärkung demokratischer Zivilgesellschaft lassen sich an dieser Stelle noch keine Aussagen treffen; sie könnten im Rahmen kommender Evaluationen in den Blick genommen werden.
     
  • „Lola für Lulu“ hat mit dem Peer-Leader-Training eine Gruppe von Jugendlichen konstituiert und aktiviert, die eine potentielle Bereitschaft mitbringen, sich mit Themen des Rechtsextremismus und der Demokratieförderung auseinanderzusetzen, und die ihr Wissen wieder in ihre Kontexte zurücktragen können. Durch eine gendersensible Bearbeitung der angesprochenen Themen sowie der gleichzeitigen Auseinandersetzung damit wird angestrebt, dass diese ebenfalls in die Interaktionen der Peer Leader zurück wirkt.
     
  • Durch die professionelle Öffentlichkeitsarbeit konnte sich „Lola für Lulu“ als Projekt auch über die regionalen Grenzen hinaus bekannt machen. Die angestrebte Etablierung im Fachdiskurs wird u. a. mit Tagungen und Publikationen zum Thema „Gendersensible Rechtsextremismusprävention“ verfolgt. Hierzu trägt auch bei, dass das Projekt unter der Trägerschaft der bundesweit etablierten Amadeu Antonio Stiftung auf Netzwerke und Strukturen zurückgreifen kann, die es in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen.
     
  • Die langfristige finanzielle Förderung ermöglicht durch die mittelfristige Planungssicherheit nicht nur eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Projektes, sondern erweist sich auch als sehr positiv im Hinblick auf die lokale Wahrnehmung. „Lola für Lulu“ wird damit zu „einem Projekt, das bleibt“. Aus dieser Wahrnehmung heraus kann es sich als verlässlicher lokaler Ansprechpartner etablieren.
     
  • Die hohe Reflexionsbereitschaft der Mitarbeiterinnen in Bezug auf die Entwicklung von Teilprojekten sowie die unterstützende Beratung zur Entwicklung der inhaltlichen Ausrichtung fördern eine produktive Auswertung der Erfahrungen und begünstigen die strukturierte Weiterentwicklung des Konzeptes und des eigenen Handelns.

 
Methodisches Vorgehen

Mit einer Evaluation, die den Prämissen rekonstruktiver Sozialforschung folgt, wird ein methodisch-innovatives Vorgehen gewählt. Oft sind in der Evaluationspraxis Untersuchungen verbreitet, die den Fokus auf Ursache-Wirkungszusammenhänge und auf Aussagen über die Wirksamkeit von Projektarbeit, die an Zahlenangaben bemessen werden, legen. Betrachtet man solche Studien, so lassen sie jedoch weniger nachvollziehbare Aussagen darüber zu, welche Bedingungen und Kontexte die Projektarbeit strukturieren, ermöglichen und befördern. Solche Fragen gelangen durchaus mit einem den Prozess der Projektentwicklung nachvollziehenden, rekonstruktiven Vorgehen in den Blick. Gleichzeitig lässt sich der Ansatz als in hohem Maße partizipativ beschreiben: Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung werden mit den Mitarbeiterinnen des Projekts diskutiert. Auf diesem Wege ist es möglich, die Evaluation als kritischen Reflexionsprozess zu nutzen. Die Daten für die Evaluation werden sowohl mittels teilnehmender Beobachtungen, Einzelinterviews, Gruppendiskussionen und Dokumentenanalysen als auch durch Methoden aus der Projekt- und Organisationsentwicklung sowie der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung erhoben.
 

Drei Jahre „Lola für Lulu“